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Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin – Über den Umgang mit Ruinen: die Nachkriegsmoderne

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Die Berliner waren empört: Der Plan für den Neuaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sah den Abriss der Turmruine vor. Der im Jahr 1956 ausgeschriebene Architektur-Wettbewerb hatte den Teilnehmern deren Abriss oder Erhaltung freigestellt. So plante Egon Eiermann zunächst den von vielen Architekten begrüßten Befreiungsschlag: Weg mit der alten, zertörten Bausubstanz, weg mit den Relikten des Historismus, endlich hin zur Moderne. Man wollte die Lasten der Vergangenheit abwerfen.

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Diese Lasten, das waren auch die Trümmerfelder der deutschen Städte. Wohin der Faschismus Deutschland geführt hatte, konnte man überall sehen: in Berlin, Frankfurt am Main, Dresden, Hamburg, München und Hannover, um nur einige schwer zerstörte Städte zu nennen. Aus den allgegenwärtigen Schutthalden, die die Trümmerfrauen in mühevoller Arbeit abtrugen, sollte nun ein neues, ein modernes Deutschland entstehen, in der Politik ebenso wie in der Architektur. Das galt sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR. Insbesondere die Architekten im Westen verschrieben sich nun der »Nachkriegsmoderne«.

Doch, wie sich vor allem im Städtebau zeigte, bildeten sich hier zwei Lager. Auf der einen Seite die Anhänger des Neuaufbaus, die an Stelle der untergegangenen engen Altstädte weitläufige Grünflächen mit punktuellen Wohnblöcken und mehrspurige Stadtstraßen für »autogerechte« Städte planten – ein Beispiel ist hier Hannover. Auf der anderen Seite die Befürworter des Wiederaufbaus, welche die Rekonstruktion der alten Städte inklusive der zerstörten Baudenkmäler betrieben – so geschehen beispielsweise in München.

Auch im Fall der Gedächtniskirche dachte man kurzzeitig an eine Rekonstruktion, bevor die Entscheidung für den Neuaufbau fiel. Doch der Plan Egon Eiermanns, der den Totalabriss der Ruine vorsah, rief einen Sturm öffentlicher Entrüstung hervor. Zu stark waren die Erinnerungen, die an dem Kirchturm hingen. Erinnerungen an das alte, untergegangene Berlin und auch an die schrecklichen Bombennächte; die Ruine war zum Mahnmal geworden.

Also beschloss man, den alten Turm zu erhalten. Für Eiermann, der keineswegs zu den Dogmatikern unter den »Modernen« zählte, war dies kein wirkliches Problem, nur eine völlig andere Aufgabenstellung. Er fertigte einen neuen Entwurf, der die konservierte Turmruine inmitten einer Gruppe von Neubauten bestehen ließ. Die Zusammengehörigkeit der Einzelbauwerke machte Eiermann durch eine gemeinsame Basis deutlich, die das Kirchenareal vom Straßenniveau abhebt.

Zunächst entstanden der achteckige Kirchenraum und der sechseckige Glockenturm. Nachdem die Kirche im Jahr des Mauerbaus 1961 geweiht wurde – gewissermaßen als Symbol für die (Religions-)Freiheit im Westen – kamen noch Foyer und Kapelle hinzu. Die Berliner waren begeistert. Das Zusammenspiel der modernen Baukörper mit der Ruine ergab einen beeindruckenden Kontrast, West-Berlin hatte ein neue Ikone. Der in mystisch blaues Licht getauchte Kirchenraum wurde umgehend zum Touristenmagnet.

Die überwältigende Wirkung des Innenraums ist nicht zuletzt Gabriel Loire zu verdanken. Der Künstler aus Chartres, wo die Glaskunst seit Jahrhunderten bis heute in höchster Blüte steht, schuf für Berlin »einen Höhepunkt der Gotikrezeption im 20. Jahrhundert«, wie es ein Architekturkritiker ausdrückte.

Bei der Rasterfassade aus Betonfertigteilen wandte Eiermann im Hinblick auf die Beleuchtung einen architektonischen Kniff an: Die Hülle des Stahlbaus ist größtenteils zweischalig, sie besteht aus zwei im Abstand von etwa 2,5 Metern parallel laufenden Wänden – im Zwischenraum ist die Beleuchtung angebracht. Am abendlichen Breidscheidplatz leuchtet die Kirche so weithin sichtbar in ihrem mystischen Blau.

Text: Mathias Wallner / Heike Werner - aus dem Buch Architektur und Geschichte in Deutschland.
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Architekten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche:
Vorgängerbau:
Franz Schwechten, 1891-1895
Neubau:
Egon Eiermann, 1957-1963
Glasmalerei: Gabriel Loire
Christusfigur: Karl Hemmeter


Link:
www.gedaechtniskirche.com


Literaturhinweise:
  • Kristin Feireiss (Hrsg.): Egon Eiermann. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.
  • Wulf Schirmer (Hrsg.): Egon Eiermann. 1904-1970.Bauten und Projekte.
  • Annemarie Jaeggi (Hrsg.): Egon Eiermann (1904-1970). Die Kontinuität der Moderne.
  • Werner Durth, Niels Gutschow, Winfried Nerdinger, Thomas Topfstedt und Klaus von Beyme (Hrsg.): Neue Städte aus Ruinen. Deutscher Städtebau der Nachkriegszeit.



  • Der Text oben stammt aus dem Buch Architektur und Geschichte in Deutschland, Mathias Wallner / Heike Werner.
    Gabriel Loire, der Glaskünstler aus Chartres, wo die Glaskunst seit Jahrhunderten bis heute in höchster Blüte steht, schuf für Berlin »einen Höhepunkt der Gotikrezeption im 20. Jahrhundert«, wie es ein Architekturkritiker ausdrückte.

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