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Die Karl-Marx-Allee in Berlin und der 17. Juni 1953

Karl-Marx-Allee
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Genosse Ulbricht machte es deutlich: »Die Stalinallee ist der Grundstein zum Aufbau des Sozialismus in der Hauptstadt Deutschlands, Berlin.« Dass die Hauptstadt Deutschlands ohne Frage zur DDR gehörte, in den Einflussbereich des »siegreichen Sozialismus«, war ein politisches Statement, das man vor allem im Westen vernehmen sollte.
Aus den Trümmern der alten Frankfurter Allee entstand die Prachtstraße des Sozialismus, 2500 Meter lang und 90 Meter breit, mit komfortablen Wohnungen, vielen Läden und vor allem: viel Menschlichkeit. Dies sollte die Stalinallee nach dem Wunsch des Politbüros nämlich ausdrücken. Auch der Namensgeber galt damals durchaus als personifizierte »Menschlichkeit« – erst als das wahre Ausmaß des stalinistischen Staatsterrors nicht mehr zu leugnen war, benannte man die Straße im Jahr 1961 in Karl-Marx-Allee um. Doch bis dahin war der Architekturgeschmack des Genossen Stalin und die Architektur Moskaus das Maß aller Dinge.

Das mussten Architekten wie Hermann Henselmann, der eigentlich der modernen Architektur zugeneigt war, erst noch lernen. Walter Ulbricht gab hier als Generalsekretär der SED den Ton an. Er war ein Gegner moderner Bauten, die er »undeutsch und unkünstlerisch« nannte. Neben den Moskauer Vorbildern schien ihm nur die traditionelle Berliner Architektur, der Klassizismus, ein geeigneter Repräsentant des Sozialismus zu sein. So fand die Stalinallee ihre Vorbilder in der Palastarchitektur Preußens. Die Arbeiter hatten die Könige ja als Herrscher abgelöst, also sollten sie nun auch in Palästen wohnen.

Der Bau der Stalinallee, insbesondere des ersten, 1800 Meter langen Bauabschnitts mit Wohnraum für 14000 Menschen, war ein kollektiver Kraftakt. Im Rahmen des Nationalen Aufbauprogramms beteiligten sich zehntausende Freiwillige an der Beseitigung der Trümmer und an den Bauarbeiten. Zunächst arbeiteten die Ost-Berliner durchaus mit Begeisterung. Später sorgte auch entsprechender Druck für die nötigen Sonderschichten. Unter allen Umständen wollte die SED-Führung nun den Aufbau des Sozialismus vorantreiben. Die II. Parteikonferenz beschloss daher einige Neuerungen. Neben einer Normerhöhung, einer Erhöhung des Arbeitspensums ohne Lohnausgleich, war dies vor allem die Enteignung vieler Bauern. Letzteres verschärfte jedoch die bereits bestehenden Versorgungsengpässe.
Wegen der schlechten Wirtschaftslage, aber auch weil der Sozialismus immer unverhohlener sein totalitäres Gesicht zeigte, flüchteten nun Tausende aus der DDR in die Bundesrepublik. Angesichts dieser Entwicklung nahm das Politbüro einige seiner Beschlüsse zurück – nicht aber die Normerhöhung.

Strausberger Platz

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Am 16. Juni 1953 marschierten deshalb hunderte Bauarbeiter der Stalinallee vom Strausberger Platz zum Haus der Ministerien. Sie protestierten gegen die Normerhöhung und riefen für den folgenden Tag zum Generalstreik auf. Am 17. Juni entlud sich in zahlreichen ostdeutschen Städten der Unmut der Bevölkerung. Die Demonstranten forderten nicht nur die Rücknahme der Normen, sondern auch den Rücktritt der SED-Regierung. Die Aktionen waren teilweise militant: Volkspolizisten wurden entwaffnet, Gefangene befreit und Parteibüros in Brand gesetzt. Schließlich griffen sowjetische Panzer ein und schlugen den Aufstand nieder. Mindestens 55 Menschen, so belegen jüngere Forschungsberichte, starben. Etwa 100 Demonstranten, schätzt man, wurden später zum Tode verurteilt. Mit dieser blutigen Machtdemonstration und den anschließenden »Säuberungsaktionen« wurde eine offene Oppostition zur SED-Regierung praktisch unmöglich. Die Unterdrückung endete erst mit den ebenso mutigen wie friedlichen Demonstrationen von 1989. Die Bundesrepublik gedachte der Opfer des 17. Juni bis zur Wiedervereinigung mit einem nationalen Feiertag.

Text: Mathias Wallner / Heike Werner - aus dem Buch Architektur und Geschichte in Deutschland.
Architekten Karl-Marx-Allee, Erster Bauabschnitt 1951-1958:

Strausberger Platz, Frankfurter Tor:
Kollektiv Hermann Henselmann

weitere Bauten:
Kollektive Egon Hartmann, Richard Paulick, Kurt Leucht, Hanns Hopp, Karl Souradny


Link:
www.kma-portal.de


Literaturhinweise:
  • Simone Hain: Berlin Ost. »Im Westen wird man sich wundern.« In: Neue Städte aus Ruinen. Deutscher Städtebau der Nachkriegszeit. Hrsg. v. W. Durth, N. Gutschow, W. Nerdinger, T. Topfstedt, K. von Beyme.
  • Simone Hain: »Von der Geschichte beauftragt, Zeichen zu setzen.« Zum Monumentalitätsverständnis in der DDR. In: Moderne Architektur in Deutschland 1900 bis 2000. Macht und Monument. Hrsg. von Romana Schneider und Wilfried Wang.
  • Hubertus Knabe: 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand.
  • Herbert Nicolaus und Alexander Obeth: Die Stalinallee. Geschichte einer deutschen Straße.



  • Der Text oben stammt aus dem Buch Architektur und Geschichte in Deutschland, Mathias Wallner / Heike Werner.
    Frankfurter Tor
    Mit den Bauten am Frankfurter Tor beginnt die sozialistische Prachtstraße, deren neo-klassizistische Archi­tektur später, in der Zeit der Plattenbauten, offiziell in Ungnade fiel. Der zweite Bauabschnitt der Karl-Marx-Alle, zwischen Strausberger Platz und Alex wurde zwischen 1959 und 1965 überwiegend in Plattenbauweise errichtet.

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